Willkommen beim berufsbegleitenden Zertifikat
„Arzneimittel- und Medizinprodukterecht in der Gesetzlichen Krankenversicherung“ an der Philipps-Universität Marburg
Das Konzept
Ein wesentlicher Teil der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung entfällt auf die Kosten für Arzneimittel- und Medizinprodukte. Um diese Kosten einzudämmen, aber zugleich den gesetzlich krankenversicherten Patienten den Zugang zu den neuesten Arzneimitteln zu ermöglichen, werden unterschiedliche Steuerungsinstrumente verwendet:
Neben den Rabattverträgen, die vor allem im Bereich der Generika relevant werden, gibt es Preisregelungen oder auch neue Vergütungsformen wie Pay-for Performance-Verträge für neue Arzneimittel, die einen besonderen Nutzen gegenüber den bereits vorhandenen Therapien aufweisen. Weitere Instrumente gibt es im Bereich der preisgünstigeren Parallel- oder Reimportarzneimittel.
Um diese Instrumente wirksam werden zu lassen, sieht der Gesetzgeber die Einbindung der Apotheken vor, indem diese etwa verpflichtet werden, bei wirkstoffgleichen Arzneimitteln diejenigen abzugeben, bei denen von der jeweiligen Kasse Rabatte mit dem Hersteller vereinbart wurden.
Dieses ohnehin komplizierte System wird von politischen Entwicklungen überlagert, die mit der Finanzierung des Gesundheitssystems nur am Rande zu tun haben:
So sollen nach den Erfahrungen während der Coronazeit und dem Zusammenbruch von Lieferketten die wesentlichen Herstellungsschritte für wichtige Arzneimittel in Europa durchgeführt werden oder es sollen Kriterien der Nachhaltigkeit bei der Beschaffung der Arzneimittel berücksichtigt werden. Dies wiederum führt zu einer Belastung des Solidarsystems mit Kosten, die durch Ziele außerhalb der Gesundheitsversorgung verursacht werden. Ob dies zu rechtfertigen ist, wirft grundsätzliche gesellschaftliche, aber angesichts der Pflichtmitgliedschaft in der Gesetzlichen Krankenversicherung auch verfassungsrechtliche Fragen auf.
Bei neuen Arzneimitteln sollen hohe Preise Anreize für die Entwicklung setzen und die Investitionen refinanzieren. Zugleich gilt es aber, diese finanziellen Anreize bei Scheininnovationen zu vermeiden. Für besondere gesellschaftliche Diskussionen sorgt, dass die Herstellungskosten des Arzneimittels häufig in keinerlei Verhältnis zu seinem Abgabepreis stehen. Durch neue Möglichkeiten in der Medizin und der Pharmazie, entstehen Arzneimittel, die auf die genetischen Besonderheiten des Patienten zugeschnitten sind, was das Spannungsverhältnis noch weiter erhöht, weil diese Arzneimittel häufig sehr hohe Kosten für eine einmalige Behandlung verursachen, sie aber zugleich Kosten für eine Dauerbehandlung reduzieren oder entbehrlich machen können.
Ähnliche Fragen stellen sich bei Medizinprodukten und bei den digitalen Gesundheitsanwendungen, die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können.
In dem Zertifikatskurs werden die verschiedenen Preissteuerungsinstrumente vorgestellt und in ihren Auswirkungen auf die Patientenversorgung, die Finanzierbarkeit des Systems und die Ziele der Forschungsanreize analysiert.
Interdisziplinäre Zielgruppe
Das Zertifikat richtet sich u.a. an Juristen, insbesondere Medizin- und Sozialrechtler, Pharmazeuten, Naturwissenschaftler, Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler, und weitere Berufsgruppen aus dem Bereich Arzneimittel und Medizinprodukte sowie des Gesundheitswesens.
Zertifikat mit 6 ECTS, anrechenbar im Masterstudiengang Pharmarecht (LL.M.) [interne Verlinkung auf „Start“]
Das Zertifikat ist im berufsbegleitenden Masterprogramm Pharmarecht an der Philipps-Universität Marburg anrechenbar und umfasst hier einen Großteil von Modul M5. Das Zertifikat findet parallel mit den Veranstaltungen des Masters Pharmarecht statt. Der LL.M. sowie das Zertifikat berücksichtigen, dass bereits praktische Fähigkeiten erworben wurden. Es wird das Verständnis für unterschiedliche Denkweisen aller beteiligten Fachdisziplinen vermittelt.
Die Teilnehmenden kennen die Steuerungsinstrumente und können sie in ihren Auswirkungen auf die Patienten, die GKV, die Pharmaindustrie und die gesellschaftlichen Zielsetzungen einordnen. Sie können beurteilen, welche Auswirkungen Modifikationen der Regulierungsinstrumente auf das deutsche und das internationale Preisgefüge haben.
Das berufsbegleitende Zertifikat umfasst 6 ECTS und vermittelt fundierte Kenntnisse über Steuerungsinstrumente und Auswirkungen auf die Patienten, die GKV, die Pharmaindustrie, die gesellschaftlichen Zielsetzungen sowie Auswirkungen von Modifikationen auf das nationale und internationale Preisgefüge.
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Partner und Unterstützer
In Kooperation mit der Philipps-Universität Marburg übernimmt die ELMar (Effektives Lernen Marburg) gGmbH auf Grundlage der universitär beschlossenen Prüfungsordnung die organisatorische Betreuung des Zertifikats, insbesondere die Organisation und Durchführung der Lehrveranstaltungen sowie der Organisation der Prüfung.






